Tag 4 - 26.10.21

Kalimera, gackerten die Hennen meines Cousins Vassilis und hatten bereits reichlich Eier für unser Frühstück gelegt. Ihr müsst wissen, dass der Sohn meiner Tante Toula eine Hühnerfarm betreibt und die Eier seiner geflügelten Mitarbeiterinnen sein Geschäft sind.

Frischer können Frühstückseier also gar nicht sein wie diese. In Griechenland essen wir diese bevorzugt hartgekocht mit einer Prise Salz und dazu eine Scheibe Brot und Kaffee. Wie im Beitrag vom zurückliegenden Sonntag bereits erwähnt: Die griechische Esskultur ist nicht für ihr Frühstück berühmt ...

Der erste Geschäftstermin des heutigen Tages führt mich nach Drama. Zu dessen Vorgeschichte:
 
Welch eine Ehre! Als ich gestern an einer Tankstelle - mein Babás betankte gerade das Auto - bei einem der berühmtesten Weingüter Griechenlands anrufe, um deren Öffnungszeiten zu erfragen, habe ich den international renommierten, nordgriechischen "Weinpapst" Costas Lazaridis höchstpersönlich am Telefon! Ui, wie bin ich plötzlich aufgeregt! Nach einem netten Gespräch läd mich Herr Lazaridis ein, doch heute vormittag in der Domaine Costa Lazaridi vorbeizukommen, um zu besprechen, wie wir beide ggfls. künftig zusammenarbeiten könnten.
 
Mein Babás sitzt längst wieder im vollgetankten Wagen und wundert sich, weshalb das Telefonat seines Töchterchens sich so lange hinzieht ... Als ich ihm erzähle, will er's kaum glauben: "Mit wem hast du gesprochen??? Du hast mit Herrn Lazaridis gesprochen ..?! Mit Costas Lazaridis persönlich ..?!?! Und er hat dich wirklich für morgen eingeladen ..?!"
 
Ihr müsst wissen: Für die Menschen in Nordgriechenland ist das in etwa so, als würde man von Bill Gates oder Barack Obama auf einen Kaffee nach Hause eingeladen werden ...
 
Mein Termin in der Domaine Costa Lazaridi verläuft sehr angenehm. Wie es der Zufall will, stellt sich heraus, dass der Exportleiter der Domaine in meiner Geburtsstadt Ehingen an der Donau aufgewachsen ist. Na, wenn das keine guten Voraussetzungen für fruchtbare Gespräche und eine eventuelle künftige Zusammenarbeit sind? Tha doume ... Schau mer mal! So sagen mittlerweile auch bayerische Griechinnen wie ich.

Am Nachmittag mache ich Bekanntschaft mit Giorgios. Der produziert Kräuter und Tees. Im kommenden Jahr will er seine Bio-Zertifizierung unter Dach und Fach haben. Das wäre mir sehr wichtig, wenn wir ins Geschäft kommen wollen. Mit einem umfangreichen Probiersortiment mache ich mich auf die Weiterfahrt. Mal sehen, vielleicht lernt Ihr ja Giorgios' Produkte irgendwann in meinem Sortiment kennen, wenn mich seine Produkte überzeugen können und die Zertifizierung erfolgreich abgeschlossen sein wird.

Die letzte Station des heutigen Tages bringt mich mit Giannis zusammen, der sich auf Produkte aus Granatäpfeln und Honig spezialisiert hat. Noch hat Giannis keine Exporterfahrung und macht sich Sorgen wegen der Formalitäten mit den Exportpapieren. Die diesjährige Ernte ist bislang auch sehr mau ausgefallen. Tha doume ... Ihr wisst mittlerweile, das das heißt.

Meine kuschligste neue Bekanntschaft ist Nachbarshund Marco. Marco liebt es zu schmusen. Das habe ich ausgiebig mit der süßen Fellnase getan ...

Babás und ich sind zu platt nach diesem langen Tag auf den Beinen, als dass wir uns noch etwas kochen wollen. So steuern wir einen Kebab-Laden an und lassen uns zum Tagesabschluss Kebab mit allem in der Pita mit einem griechischen Bier schmecken.

 

Kalinichta & apo avrio

Eure Spyridoula

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